Was ist eigentlich Gewalt in der Pflege

Bei Gewalt im Kontext Pflege spielen ganz eigene Aspekte eine Rolle, die über die allgemeine Definition des Gewaltbegriffs hinausgehen. Neben den offensichtlichen Formen, wie körperlicher, emotionaler oder auch sexualisierter Gewalt, gibt es im Bereich Pflege auch noch andere Erscheinungsformen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort als Gewalt zu erkennen sind. Dazu können z. B. die Nötigung zu Geldgeschenken, die Gabe von nicht indizierten Medikamenten zur Ruhigstellung oder auch das bewusste Unterlassen pflegerischer oder medizinischer Maßnahmen zählen. Umgekehrt können aber auch Pflegende von gewalttätigem Verhalten betroffen sein, z. B. in Form von Beleidigungen. Das ZQP hat ein Portal zur Gewaltprävention in der Pflege aufgebaut.

In welchen Situationen erfahren Menschen Gewalt in der Pflege

Grundsätzlich können Gewalt und Aggression in fast jeder Situation auftreten. Allerdings haben die meisten Fälle, in denen es zu gewalttätigem Verhalten kommt, eine ganz individuelle Vorgeschichte. Bei pflegebedürftigen Menschen können z. B. bestimmte Krankheiten oder auch die Nebenwirkungen von Medikamenten der Grund für aggressives Verhalten sein. Aber auch das Hadern mit dem eigenen Schicksal, der Abhängigkeit und Hilflosigkeit,  der fehlenden Selbstbestimmung oder auch Ängste  ̶ all diese Ursachen können dazu beitragen, dass bestimmte Situationen letztendlich eskalieren. Auch auf Seiten der Pflegenden gibt es viele mögliche Ursachen. Das bekannteste Problem ist sicherlich die Überlastung. Gerade in der familialen Pflege können aber auch vorbelastete zwischenmenschliche Beziehungen in der Pflegekonstellation eine besondere Herausforderung bergen. Das soll heißen: nicht immer führt beispielsweise eine akute Überlastungssituation auch zu problematischem Verhalten. Die Dynamik solcher Situationen und die Gründe, die letztendlich zur Folge Gewalt haben, sind extrem komplex und vielschichtig. Daher kommt der Früherkennung von Belastungssituationen, bevor sie zu Überlastungssituationen werden, eine tragende Rolle bei der Gewaltprävention zu.

Was kann ich gegen meine eigenen Agressionen tun?

Ein sehr wichtiger Aspekt ist hierbei die „Selbstfürsorge“. Menschen, die ständig für andere da sind und sich um andere sorgen, vergessen oft ihre eigenen Bedürfnisse oder sehen keine Möglichkeiten, für sich selbst gut zu sorgen. Selbstfürsorge heißt damit zunächst, sich der eigenen Bedürfnisse aber auch der Grenzen der eigenen Belastbarkeit bewusst zu werden und diese zu akzeptieren. Dieser Erkenntnis müssen dann aber auch konkrete Maßnahmen folgen. die Inanspruchnahme von Hilfs- und Entlastungsangeboten ist ein weiterer entscheidender Punkt, auf den immer wieder hingewiesen werden muss.

Viel zu oft empfinden Pflegende Scham dabei oder haben sogar das Gefühl, in ihrer Aufgabe zu versagen. Im Bereich der Versorgung von Kleinkindern und Babys ist es dagegen viel stärker akzeptiert und auch gang und gäbe, sich z. B. hin und wieder einen Babysitter oder die Unterstützung von Freunden oder Bekannten zu holen, um auch mal Zeit für sich zu haben. Dieses Selbstverständnis sollte in gleichem Maße für die Versorgung und Betreuung von alten und hilfebedürftigen Menschen gelten. Denn hier wie dort gilt, dass nur derjenige langfristig gut für andere sorgen kann, dem es selbst gut geht und der für sich selbst Sorge trägt.

Wo finde ich Hilfe?

Es Es gibt eine Reihe spezialisierter Angebote, die in akuten Notsituationen schnelle und professionelle Hilfe bieten. Eine Übersicht dazu finden Interessierte auch auf dem Portal des ZQP zur Gewaltprävention (www.pflege-gewalt.de).

Darüber hinaus sind in Städten, Kommunen oder bei Einrichtungsträgern direkt auch Beschwerdestellen für ältere Menschen angesiedelt ̶  auch diese können mit Rat und Tat zur Seite stehen. Eine Übersicht dazu ist unter www.beschwerdestellen-pflege.de zusammengestellt. Auch Einrichtungen der Pflegeberatung können weiterhelfen oder ggf. auch weiter vermitteln. Das Wichtigste hierbei bleibt jedoch: Menschen, denen Unrecht widerfährt, sollten dies nicht einfach hinnehmen und still ertragen, sondern aktiv Hilfe suchen.