Es gibt eigens Gutachter für Kinder und Jugendliche. Warum?

Die Beurteilung von kranken und behinderten Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich von der Pflegestufenermittlung Erwachsener. Die Erkrankungen, an denen die jungen Antragsteller leiden, sind oft selten und häufig auch gravierend. Ein Gutachter, der sich hier nicht umfassend auskennt, kann auch den Aufwand, der für die pflegenden Eltern daraus resultiert, oft nicht adäquat bewerten. Deshalb ist Expertenwissen nötig.

Auch haben Kinder und Jugendliche - abhängig vom Alter - in vielen Bereichen ihres Alltags einen natürlichen Hilfebedarf. Diesen muss der Gutachter ebenfalls kennen. So kann z.B. ein Kind im Alter von 2 Jahren – auch, wenn es gesund ist – die Zähne nicht alleine putzen. Dieser alterstypische Hilfebedarf darf natürlich nicht anerkannt werden. Somit ist die Begutachtung bei Kindern aufwändiger, denn der Gutachter muss den altersabhängigen durchschnittlichen Entwicklungsstand eines gesunden Kindes berücksichtigen. Auch hier ist der Spezialist gefragt.

Und zuletzt: die Begutachtung von Kindern und Jugendlichen erfordert eine ganz besondere Sensibilität im Umgang mit dem jungen Kranken und den Eltern. Die verständnisvolle Gesprächsführung in dieser belastenden Situation will gelernt sein.

Über welche Qualifikation verfügt ein solcher Kindergutachter?

Pflegegutachter, die kranke Kinder und Jugendliche und ihre Eltern besuchen, sind häufig Kinderärztinnen und  -ärzte oder Kinderkrankenschwestern und -pfleger. Diese haben zusätzlich zum fachlichen Erfahrungsschatz ein umfassendes Fachwissen bezogen auf die speziellen Erkrankungen und Behinderungen und auf den daraus resultierenden Hilfebedarf im Alltag.

Zusätzlich werden aber auch sehr erfahrene Gutachter, die eine langjährige Erfahrung als Sachverständige in der Pflegebegutachtung und die persönliche Eignung mit sich bringen, nach Absolvierung von gezielten Schulungen in der Begutachtung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

Um eine durchgehend hohe Qualität zu gewährleisten, werden alle Gutachten von Kindern und Jugendlichen außerdem einem zweiten erfahrenen Gutachter zur inhaltlichen und formalen Prüfung vorgelegt. Erst dann wird das erstellte Gutachten mit dem abschließend festgelegten Ergebnis an die jeweilige Pflegeversicherung versendet.

Wie kann ich mich auf den Begutachtungstermin vorbereiten?

Je besser der Begutachtungsbesuch vorbereitet wird, umso eher wird das Ergebnis auch tatsächlich dem individuellen täglichen Pflege- und Betreuungsaufwand Ihres Kindes gerecht.

Wenn es Ihnen möglich ist, sollten Sie deshalb alle wichtigen Arztberichte, Krankenhausbriefe, Untersuchungsbefunde inklusive der Schreiben der sozialpädiatrischen Zentren und der ggf. besuchten Tagesstätten oder Kindergärten und Schulen bereithalten. Auch das gelbe  Vorsorgeheft ist sehr wichtig.

Diese Unterlagen geben dem Gutachter wichtige Informationen über die Diagnosen, über den bisherigen Verlauf, über die Therapie und die Planungen für die weiteren Behandlungen. Zusätzlich wird der Gutachter viele Inhalte im direkten Gespräch mit Ihnen erörtern, denn er muss sich vor Ort ein eigenes Bild vom aktuellen Stand Ihres Kindes machen. Um nichts zu vergessen, ist es deshalb sinnvoll, sich vor dem Begutachtungsbesuch die Bereiche zu notieren, in denen täglich Pflege und Betreuung geleistet wird. Hilfreich kann hier auch das Ausfüllen eines Pflegeprotokolls sein, das während des Besuches im Detail mit dem Gutachter besprochen werden kann.

Der Gutachter wird sich Zeit nehmen für den Besuch bei Ihnen und Ihrem Kind. Umgekehrt sollten Sie dies auch tun. Planen Sie von vorne herein  mindestens 1 Stunde ein und sorgen Sie für einen möglichst ruhigen und störungsfreien Ablauf.

Wie läuft der Begutachtungstermin ab? Gibt es Unterschiede zum Begutachtungstermin bei Senioren?

Während des Hausbesuches – bei dem selbstverständlich die Hauptperson, Ihr Kind – auch anwesend sein sollte, muss der Gutachter herausfinden, welche Hilfen geleistet werden, die mit der Krankheit oder der Behinderung Ihres Kindes zusammenhängen.

Er wird deshalb die Unterlagen sichten und sich von Ihnen den bisherigen Verlauf schildern lassen. Dann wird er konkret den aktuellen und individuellen Hilfebedarf in den einzelnen Bereichen des Alltags erfragen, z. B. beim morgendlichen Waschen und bei den Toilettengängen, beim An- und Ausziehen, bei der Nahrungsaufnahme. Wie oft muss geholfen werden und wie lange dauert dies?

Der Gutachter wird jedoch nicht nur Fragen stellen, er wird sich auch mit Ihrem Kind beschäftigen und – meist spielerisch – Fähigkeiten und Einschränkungen prüfen. Kennt das Kind den Wochentag? Kann es schon malen? Wie gelingt das Trinken aus dem Becher, der auf dem Tisch steht? Wie läuft es in der Schule? Und wie wird die Freizeit gestaltet? Solche und ähnliche Punkte werden bei dem Besuch angesprochen.

Auch das Wohnumfeld interessiert den Gutachter und er wird um eine kurze Besichtigung der relevanten Räume bitten. Ein enges Badezimmer ohne Dusche kann z.B. in der Pflege eines kranken Kindes behindern, während ein großzügiges Bad mit ebenerdiger Dusche die Versorgung deutlich erleichtern kann.

Im Vergleich zu der Begutachtung eines Erwachsenen dauert der Hausbesuch bei einer Kinderbegutachtung meist – bei sonst identischem Ablauf - etwas länger.