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Pflegende Kinder und Jugendliche wahrnehmen

Kinder und Jugendliche, die in die Pflege ihrer Angehörigen eingebunden sind, übernehmen Aufgaben und Verantwortung, die über das hinausgehen, was Gleichaltrige ohne Pflegeverantwortung leisten müssen. Diese Situation kann sich laut einer Studie der Universität Witten-Herdecke gleichermaßen positiv als auch negativ auf die Entwicklung pflegender Kinder und Jugendlicher auswirken. Pflegeberatung kann dabei unterstützen, dass die Pflegesituation so gestaltet wird, dass sie für alle Familienmitglieder tragbar ist.

Ein Balanceakt zwischen Verantwortung tragen und Kind sein

Kinder und Jugendliche, die in die Pflege ihrer Angehörigen involviert sind, können sowohl positive als auch negative Auswirkungen der Pflegesituation wahrnehmen. Positive Auswirkungen zeigen sich vor allem in der persönlichen, sozialen Entwicklung. Höhere Empathie, Sozialkompetenz und mehr Verantwortungsbewusstsein als Gleichaltrige zeigen, sind hier besonders hervorzuheben. Auch nehmen sich viele pflegende Minderjährige selbst als reifer als nicht pflegende Gleichaltrige wahr und schätzen die enge Bindung zu ihren Familienangehörigen. Auch das ergab die Umfrage unter pflegenden Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen der Studie der Universität Witten-Herdecke stattfand.

Allerdings kann die Pflege auch zu einer schwer zu bewältigenden Belastung führen, mit der es mühsam oder nahezu unmöglich wird, parallel die eigene Kindheit und Jugend zu leben. Schlafstörungen, damit einhergehende Müdigkeit und Erschöpfung sowie Sorgen können den Alltag pflegender Kinder und Jugendlichen prägen. In der Folge kann dies zu Problemen in der Schule und somit langfristig zu schlechteren Bildungschancen führen. Darüber hinaus führt eine frühe Pflegeverantwortung unter Umständen zu einem sozialen Rückzug aus Zeitmangel und Sorgen. Dieser Konflikt das eigene Leben leben zu wollen und gleichzeitig das pflegebedürftige Familienmitglied zu unterstützen stellt eine echte Zerreißprobe dar und wird von Betroffenen als enorme Belastung beschrieben. Gerade im Kindes- und Jugendalter ist Sozialisierung wichtig und nicht selten bilden sich hier Freundschaften und Kontakte, die ein Leben lang halten und ein soziales Sicherheitsnetz bilden. Darüber hinaus leisten Freunde und Hobbys einen wichtigen Beitrag zur Entlastung.

Pflegende Kinder und Jugendliche wahrnehmen

Trotz der hohen Anzahl pflegender Minderjähriger sind sie dennoch wenig sichtbar. Gemäß der Studie der Universität Witten-Herdecke ziehen sich pflegende Kinder und Jugendliche eher zurück und sind sich ihrer besonderen Verantwortung gar nicht bewusst. Sie fürchten Stigmatisierung oder als Familie auseinander gerissen zu werden und suchen dementsprechend nicht nach Unterstützung. Um ihnen zu helfen und Unterstützung anbieten zu können, ist es daher im ersten Schritt notwendig, junge Menschen mit Pflegeverantwortung zu erkennen und eine wertschätzende und vertrauensvolle Kommunikation aufzubauen. Besonders Fachkräfte wie beispielsweise Lehrer*innen haben gute Zugänge und Möglichkeiten, pflegende Kinder und Jugendliche zu identifizieren. Anzeichen wie häufig vorhandene Müdigkeit, regelmäßiges zu spät zur Schule kommen, wenige soziale Kontakte, ausgeprägtes empathisches und hilfsbereites Verhalten oder auch die regelmäßige Begleitung jüngerer Geschwister auf dem Schulweg können auf eine Pflegeverantwortung hindeuten.

Unterstützung im Rahmen der Pflegeberatung

Auch Pflegeberater*innen erhalten durch regelmäßige Gespräche mit pflegebedürftigen Personen und ihren Angehörigen einen Einblick in die Pflegesituation der Betroffenen und können so pflegende Kinder und Jugendliche identifizieren. Pflegeberater*innen können sie dann in ihrer Rolle wahrnehmen und ein offenes Ohr anbieten, über Unterstützungsangebote informieren sowie zur Inanspruchnahme dieser ermutigen.

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