
Wenn das Sterben anfängt
Der Welthospiztag und der Deutsche Hospiztag machen in jedem Oktober darauf aufmerksam, wie wichtig eine würdevolle Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen und ihrer An- und Zugehörigen ist. In der Hauptsache geht es dabei um Zeit, eine fundierte fachliche Unterstützung und menschliche Nähe bis zuletzt. Letzte-Hilfe-Kurse können pflegende An- und Zugehörige auf die beginnende letzte Lebensphase vorbereiten.
Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sterben die meisten Menschen in Deutschland im Krankenhaus. Doch vorher verbringen viele von ihnen bereits als zu Pflegende die letzte Lebensphase zuhause, oft versorgt von ihren An- und Zugehörigen. Auch wenn das Sterben zum Leben gehört, sind die meisten Menschen nicht auf den Moment vorbereitet, wenn eine ihnen nahestehende Person am Lebensende angelangt, und übernehmen die Betreuung oft ohne jede fachliche Vorbereitung. Das kann schnell zu Erschöpfung und Überforderung führen und auch von Angst begleitet sein, vor allem, wenn das Sterben nähertritt.
Wie reagieren, wenn der Vater oder die Mutter unerträgliche Schmerzen haben und nicht mehr schlafen können? Was ist zu tun, wenn ein*e Partner*in nicht mehr schlucken kann? Was genau bedeutet eigentliche würdevolles Sterben? Genau für diese Fragen gibt es ein unterstützendes und niedrigschwelliges Kursformat, das immer bekannter wird und an vielen Orten durch verschiedene qualifizierte Träger angeboten wird: den Letzte-Hilfe-Kurs. Durchgeführt und angeboten werden die Kurse von erfahrenen und zertifizierten Kursleitenden aus der Hospiz- und Palliativversorgung, aber auch in Krankenhäusern, Unikliniken, Hospizdiensten oder von unterschiedlichen Sozialverbänden und karitativen Trägern.
Warum das Thema für pflegende An- und Zugehörige so wichtig ist
Das Konzept ähnelt dem eines Erste-Hilfe-Kurses. In mehreren Stunden wird interessierten Laien das Grundwissen zur Palliativversorgung und Sterbebegleitung vermittelt. In mehreren thematischen Blöcken lernen Teilnehmende, welche körperlichen Veränderungen in der Sterbephase auftreten, wie einfache pflegerische Handgriffe Beschwerden lindern können, welche Entscheidungen vorausschauend getroffen werden sollten und wie ein Abschied gestaltet werden kann, der dem sterbenden Menschen und seinen Wünschen und Vorstellungen gerecht wird. Das stärkt die Handlungssicherheit der Pflegenden und Begleitenden im Umgang mit den Sterbenden.
Der Durchführungszeitraum ist dabei zeitlich und inhaltlich kompakt gehalten und beschränkt sich meist auf einen Zeitraum von ungefähr vier Stunden, zum Beispiel an einem Vor- oder Nachmittag. Es gibt keine Prüfung oder ein entsprechendes Zertifikat am Ende des Kurses, aber womöglich eine Teilnahmebescheinigung. Die Teilnahme erfordert außerdem keine Vorkenntnisse und ist unabhängig vom Bildungsstand. Einzige Voraussetzung ist das Interesse am Thema, weil das früher übliche und tradierte Wissen rund um die Sterbebegleitung von Menschen in unserer Gesellschaft im Laufe der vergangenen Jahrzehnte aus unterschiedlichen Gründen stark abgenommen hat.
Pflegeberatung kann beratend unterstützen
Letzte-Hilfe-Kurse ersetzen allerdings für An- und Zugehörige keine psychosoziale Fachbegleitung, keine medizinische Versorgung und keine professionelle Pflegebegleitung. Wer An- und Zugehörige intensiv pflegt, braucht in der Regel mehr als vier Stunden Grundwissen, eine individuelle Begleitung und Beratung, rechtliche und finanzielle Orientierung sowie pflegerisches Handwerkzeug. Alle wichtigen Fragen sollten immer mit behandelnden Ärzt*innen und Pflegefachkräften abgestimmt sein. Zudem ist das Angebot der Letzte-Hilfe-Kurse regional nicht flächendeckend in ganz Deutschland verfügbar.
Wer Fragen zum Thema Letzte-Hilfe-Kurse hat, kann diese aber im Rahmen einer Pflegeberatung, zum Beispiel durch compass, ansprechen. Pflegende An- und Zugehörige benötigen Informationen und Unterstützung bei der Organisation des Pflegealltags. Wer nahestehende Menschen auch durch eine fortschreitende Erkrankung bis in die letzte Lebensphase begleitet, braucht zusätzlich auch Hinweise zu Angeboten vor Ort, Hintergrundwissen zu Leistungen und Erläuterungen zu Unterstützungs- und Entlastungsangebote, nicht zuletzt für sich selbst.
Was Expert*innen raten
Pflegeberatung kann diese Fragen frühzeitig aufgreifen. Die Pflegeexpert*innen erreichen pflegende An- und Zugehörige häufig schon zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine akute Krisensituation besteht. Dadurch können sie rechtzeitig und präventiv auf Letzte-Hilfe-Kurse aufmerksam machen, bevor Unsicherheit, Überforderung oder eine Verschlechterung des Gesundheitszustands den Handlungsspielraum einschränken. Der Hinweis auf ein passendes Angebot ergänzt die individuelle Beratung, ohne den Kurs selbst zu ersetzen.
Auch im Rahmen der individuellen Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase ist das Thema Letzte-Hilfe-Kurs relevant. Gespräche über Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder die gewünschten Versorgungsorte und persönlichen Vorstellungen am Lebensende können dazu beitragen, dass Entscheidungen nicht erst unter hohem Zeitdruck oder gar zu spät getroffen werden. Pflegeberater*innen können solche Themen sensibel ansprechen und weiterführende Informationen für zu Pflegende und pflegende An- und Zugehörige geben. Sowohl der Deutsche Hospiz- und Palliativverband e.V. (DHPV) als auch die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) begrüßen das Format der Letzte-Hilfe-Kurse ausdrücklich.
Kurz zusammengefasst:
Letzte-Hilfe-Kurse vermitteln in kompakter Form grundlegendes Wissen über Sterben, Vorsorge, die Begleitung am Lebensende und den Abschied.
Sie richten sich ausdrücklich auch an pflegende An- und Zugehörige und setzen keine Vorkenntnisse voraus.
Die Teilnehmenden erfahren, welche Veränderungen in der Sterbephase auftreten können, wie sie Beschwerden mit einfachen Maßnahmen lindern können und welche regionalen Hospiz- und Palliativangebote Unterstützung bieten.
Die Kurse können Ängste abbauen, Orientierung geben und pflegende An- und Zugehörige im Umgang mit der letzten Lebensphase stärken. Sie schaffen Raum für Fragen und Gespräche und fördern einen offenen, selbstverständlichen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer.
In der Regel dauern sie etwa vier Stunden und kosten – je nach Anbieter – wenig oder keinen Teilnahmebeitrag.
Ein Letzte-Hilfe-Kurs ersetzt jedoch keine medizinische Versorgung, professionelle Pflege, Pflegeberatung oder psychosoziale Begleitung. Bei komplexen Pflegesituationen ist deshalb zusätzliche Unterstützung durch ambulante Hospiz- und Palliativdienste, behandelnde Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegeberatungsstellen sinnvoll.
